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 Mittwoch / 12.09. / 19:30 Uhr / Vortrag


Bankrotteur – NS-Funktionär – „Volksschädling“
Aufstieg und Fall des Donaueschinger Keisleiters Walther Kirn


Dr. Wolf-Ingo Seidelmann, Rödertal (Bei Coburg)
Ort: Donaueschingen, Landratsamt, Humboldstraße 11

Eine nationalsozialistische Karriere: vom NSDAP-Kreisleiter in Donaueschingen zum verurteilten „Volksschädling“ - Walther Kirn (1891-1944)

 

 

 

                     Bild : Kreisleiter Walther Kirn / Quelle : Dr. Wolf-ingo Seidelmann

In seinem früheren Wirkungskreis in Donaueschingen und am Bodensee hält sich noch immer die Legende, Walther Kirn sei den Heldentod an der Ostfront gestorben. Tatsächlich aber erlebte der Mann seine letzten Stunden als herzkranker Sträfling im Zuchthaus von Bruchsal. Der ehemalige Kreisleiter von Donaueschingen (1937-1940), ein Bankrotteur und altgedienter Nationalsozialist, hatte den Bogen derart überspannt, dass ihn das Regime 1943 als „Volksschädling“ abstempelte und auf Befehl des badischen Gauleiters Robert Wagner hinter Gitter brachte. Verurteilt wurde Kirn nicht aus politischen Gründen, sondern wegen schwerer Wirtschaftskriminalität: Kirn hatte 1941/42 sein Kreisleiteramt im Elsass dazu benutzt, sich und seine Komplizen am Eigentum jüdischer Opfer zu bereichern. Er löste damit den größten Korruptionsskandal in den besetzten Westgebieten aus. Das vergleichsweise harte Urteil für ein Vergehen, das im besetzten Osten als gefahrloser Volkssport unter höheren NS-Funktionären galt, erging nicht etwa aus rechtsstaatlichen Erwägungen einer unvermutet einsichtig gewordenen braunen Justiz, sondern war Folge des Umstands, dass Kirn seinen Fischzug am falschen Ort durchgeführt hatte. Im Elsass, wo sich die deutschen Besatzer darum bemühten, die Bevölkerung für ihre Annexionspläne günstig zu stimmen, waren Korruptionsskandale grundsätzlich unerwünscht. Daher passte einer wie Kirn, der seit Jahrzehnten andere ausnahm und ungeniert auf deren Kosten prasste, nicht zum selbstverordneten Saubermann-Image der neuen Herren.

In der Gesellschaft der Fürstenbergischen Residenzstadt genoss Kirn einen zweifelhaften Ruf und galt als Parvenü. Der Fürstliche Kanzleirat Arno Fritsche, ein Mann von Einfluss, der in Donaueschingen zeitweilig NSDAP-Kreisorganisationsleiter und Erster Stellvertreter von Oberbürgermeister Walter Sedelmeyer gewesen war, hielt Kirn „für einen Hochstapler.“ Donaueschingens Sparkassendirektor Dr. Gustav Bender gab nach dem Krieg zu Protokoll, er habe 1938 ein Parteiamt verloren, weil er sich geweigert habe, dem vermögenslosen Kreisleiter ein rechtswidriges Darlehen zu geben. 1939 schied der langjährige NSDAP-Kreisamtsleiter im Amt für Beamte, Hugo Wältner nach heftigem Streit mit Kirn aus dem Amt. Der Gewerbeschullehrer räumte später ein, dass - auf Befehl seines Chefs - die Erstellung willkürlicher und wahrheitswidriger Urteile über die fachliche und politische Zuverlässigkeit von Donaueschinger Beamten üblich gewesen sei. Der Vortrag zeichnet die Lebensstationen eines nationalsozialistischen Überzeugungstäters nach, der zwischen 1937 und 1940 In Donaueschingen als NSDAP-Kreisleiter tätig war und dort seine Spuren hinterließ.

Als Ergänzung zu dem Vortrag wird Herr Dr. Wolfgang Proske seine Buchreihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ vorstellen. In dieser Buchreihe wird über das Leben von  NS-Belastete  aus dem Südwesten Deutschlands berichtet.  

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